Ratgeber / Ertrag

Wie viel Strom
bringt Ihr Dach?

Aktualisiert 4. Juli 2026 · 4 Min.

Die zweite Frage nach dem Preis ist immer: Was kommt eigentlich unten raus? Der Ertrag einer Solaranlage lässt sich erstaunlich verlässlich abschätzen — man muss nur die richtigen drei Größen kennen: den spezifischen Ertrag Ihrer Region, die Anlagengröße und Ihr Verbrauchsprofil.

Spezifischer Ertrag: Wie sonnig ist das Rheinland?

Der spezifische Ertrag sagt, wie viele Kilowattstunden ein Kilowatt-Peak (kWp) installierte Leistung im Jahr liefert. Fürs Rheinland — den Kreis Düren, den Raum Aachen und Köln — rechnen wir konservativ mit rund 1000 kWh je kWp und Jahr. NRW liegt damit keineswegs schlecht: Der Unterschied zu Süddeutschland ist kleiner, als viele denken, meist nur rund fünf bis zehn Prozent. Ein gut belegtes Dach hier trägt sich problemlos.

Von Anlagengröße zu Jahresertrag

Aus dem spezifischen Ertrag folgt der Jahresertrag direkt aus der Anlagengröße:

AnlagengrößeJahresertrag (Richtwert)Passend für
6 kWprund 6.000 kWhkleiner Haushalt, wenig Dachfläche
8 kWprund 8.000 kWhtypisches Einfamilienhaus
10 kWprund 10.000 kWhHaushalt mit Wärmepumpe oder E-Auto

Zum Vergleich: Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht im Jahr etwa 4.000 bis 4.500 kWh. Eine 8-kWp-Anlage produziert also deutlich mehr, als der Haushalt selbst nutzt — der Rest geht ins Netz. Genau hier trennt sich Ertrag von Nutzen.

Autarkie und Eigenverbrauch: der entscheidende Unterschied

Nicht jede erzeugte Kilowattstunde ist gleich viel wert. Selbst genutzter Strom spart rund 37 Cent Netzstrom, eingespeister bringt nur 7,78 Cent. Deshalb zählt der Eigenverbrauch:

  • Ohne Speicher nutzen Sie tagsüber, was gerade produziert wird — das deckt rund 30 Prozent Ihres Jahresverbrauchs (Autarkiegrad).
  • Mit Speicher schieben Sie den Mittagsüberschuss in den Abend, die Autarkie steigt auf etwa 65 Prozent.
  • Mit E-Auto oder Wärmepumpe steigt der Eigenverbrauch weiter, weil mehr Last in die sonnenreichen Stunden fällt.

100 Prozent Autarkie sind physikalisch nicht drin: Im Winter und nachts liefert das Dach zu wenig. Wer das verspricht, rechnet unsauber — wir tun das bewusst nicht.

Was den Ertrag im Einzelfall verschiebt

Ausrichtung, Dachneigung und Verschattung entscheiden über die letzten Prozente. Ein Süddach bei 30 bis 35 Grad ist das Optimum, aber auch Ost-West-Dächer liefern hervorragend — sie verteilen den Ertrag nur gleichmäßiger über den Tag, was dem Eigenverbrauch sogar hilft. Details dazu im Ratgeber Welches Dach eignet sich für Photovoltaik?

Wie sich der Ertrag übers Jahr verteilt

Der Jahresertrag ist stark ungleich verteilt: Rund 70 Prozent fallen ins Sommerhalbjahr von April bis September, nur etwa 30 Prozent in die Wintermonate. Im Juni liefert ein Dach schnell das Fünf- bis Sechsfache eines Dezembertags. Das ist der eigentliche Grund, warum volle Autarkie ohne saisonalen Speicher unmöglich ist — ein Batteriespeicher schiebt den Sommerüberschuss in den Abend, aber nicht in den Winter.

Ausrichtung und Neigung: was sie kosten

Süd bei 30 bis 35 Grad ist das Optimum. Die Abschläge anderer Ausrichtungen sind kleiner, als viele fürchten:

AusrichtungRelativer Jahresertrag
Südrund 100 %
Südost / Südwestrund 95 %
Ost / Westrund 85 %
Nordost / Nordwestrund 65–70 %

Ein Dach nach Osten oder Westen bringt damit rund 85 Prozent statt der befürchteten Hälfte — und verteilt den Strom auf Morgen und Abend, was dem Eigenverbrauch sogar hilft. Nur reine Nordflächen lohnen sich selten.

Degradation: was nach 20 Jahren übrig ist

Module altern, aber langsam: Der Ertrag sinkt um grob 0,5 Prozent im Jahr. Nach 20 Jahren liefert das Dach noch rund 90 Prozent seiner Anfangsleistung, nach 25 Jahren um die 87 Prozent. Deshalb geben viele Hersteller 25 bis 30 Jahre Leistungsgarantie. Der Wert, mit dem der Rechner arbeitet, ist ein Durchschnitt über die Laufzeit — die ersten Jahre liegen darüber, die späten darunter.

Ihr Wert in einer Minute

Statt zu schätzen, stellen Sie im Ertragsrechner einfach Anlagengröße und Verbrauch ein. Sie sehen sofort Jahresertrag, Autarkie, den finanziellen Vorteil und die Amortisation — für Ihr Dach, mit und ohne Speicher.

Was eine Kilowattstunde vom Dach wirklich wert ist

Der Wert hängt davon ab, was Sie mit ihr tun. Selbst genutzt ersetzt sie Netzstrom für rund 37 Cent. Eingespeist bringt sie 7,78 Cent. Ins E-Auto statt an die öffentliche Säule geladen, spart sie sogar 50 Cent und mehr. Deshalb ist nicht der reine Ertrag die spannende Zahl; entscheidend bleibt der Eigenverbrauch: Jede selbst genutzte Kilowattstunde ist fast fünfmal so wertvoll wie eine eingespeiste. Genau hier setzen Speicher, Wärmepumpe und Wallbox an.

Verschattung: der Effekt in Zahlen

Schatten ist teurer, als er aussieht. Liegt nur ein Modul im Schatten, kann es ohne Gegenmaßnahme einen ganzen Strang ausbremsen. Moderne Anlagen begegnen dem mit Leistungsoptimierern oder Modulwechselrichtern, die jedes Modul einzeln regeln und Teilverschattung weitgehend abfangen. Ein Baum, der mittags das halbe Dach beschattet, kann den Jahresertrag dennoch um 10 bis 20 Prozent drücken. Deshalb misst der Fachbetrieb die Verschattung vor Ort, statt sie zu schätzen.

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Rechnen Sie den Ertrag selbst durch oder lassen Sie ihn von einem Fachbetrieb aus Ihrer Region prüfen.