Ratgeber / Kaufen oder mieten
Kaufen oder
mieten?
Aktualisiert 4. Juli 2026 · 4 Min.

„Ohne Anschaffungskosten zur eigenen Solaranlage" — mit diesem Versprechen werben viele Mietmodelle. Es klingt verlockend, besonders wenn das Eigenkapital knapp ist. Doch was auf dem Dach gleich aussieht, unterscheidet sich unterm Strich erheblich. Hier der ehrliche Vergleich der drei Wege: kaufen, finanzieren, mieten.
Kauf aus Eigenmitteln: am günstigsten
Wer die Anlage kauft, zahlt einmal — für ein Einfamilienhaus mit 8 kWp rund 12.000 Euro als Endpreis, dank Nullsteuersatz ohne Umsatzsteuer. Danach gehört Ihnen jede erzeugte Kilowattstunde: rund 37 Cent gespart je selbst genutzter, 7,78 Cent Vergütung je eingespeister. Die Anlage amortisiert sich im Rheinland meist in elf bis zwölf Jahren und liefert danach über ein Jahrzehnt fast kostenlosen Strom. Das ist die günstigste Variante — vorausgesetzt, das Kapital ist da.
Finanzierung über Kredit: kaufen ohne Erspartes
Wer nicht auf Erspartes zurückgreifen will, finanziert die Anlage — oft über den zinsgünstigen KfW-Kredit 270. Die Anlage gehört Ihnen trotzdem von Anfang an, Sie zahlen nur den Kaufpreis über die Zeit ab. Häufig decken die eingesparten Stromkosten die Kreditrate schon spürbar mit. Unterm Strich etwas teurer als der Barkauf wegen der Zinsen, aber deutlich günstiger als Miete. Mehr dazu im Ratgeber Photovoltaik-Förderung 2026.
Miete oder Pacht: bequem, aber teurer
Beim Mietmodell installiert ein Anbieter die Anlage und Sie zahlen eine feste monatliche Rate, meist über 15 bis 20 Jahre. Vorteile: kein Anschaffungsbetrag, Wartung und Versicherung sind oft inklusive, ein Rundum-sorglos-Gefühl. Der Preis dafür ist real:
- Höhere Gesamtkosten: Über die Laufzeit zahlen Sie in Summe meist deutlich mehr als beim Kauf — die Bequemlichkeit hat ihren Preis.
- Steuervorteil liegt beim Anbieter: Den Nullsteuersatz nutzt der Vermieter, nicht Sie.
- Lange Bindung: Sie sind über viele Jahre an einen Vertrag gebunden; ein Blick auf die Konditionen bei Umzug oder Hausverkauf lohnt sich.
Für manche Haushalte ist die Miete trotzdem der richtige Einstieg — dann nämlich, wenn der Kauf sonst gar nicht zustande käme. Nur sollte man wissen, was man dafür bezahlt.
Der ehrliche Vergleich
| Variante | Vorab | Gesamtkosten | Anlage gehört Ihnen |
|---|---|---|---|
| Kauf (Eigenmittel) | voll | am niedrigsten | sofort |
| Finanzierung (KfW) | gering | etwas höher (Zinsen) | sofort |
| Miete / Pacht | keine | am höchsten | meist erst am Ende |
Was Miete über 20 Jahre wirklich kostet
Rechnen wir die Miete gegen den Kauf. Eine typische Mietrate für eine 8-kWp-Anlage mit Speicher liegt bei rund 150 Euro im Monat über 18 bis 20 Jahre — in Summe grob 32.000 bis 36.000 Euro. Dieselbe Anlage kostet im Kauf rund 17.000 Euro einmalig, plus über die Jahre etwas Versicherung und einen Wechselrichtertausch. Die Miete kostet Sie über die Laufzeit also je nach Vertrag das Eineinhalb- bis Zweifache — dafür ohne Anschaffung und mit Rundum-sorglos-Paket. Diesen Aufpreis sollte man kennen, bevor man unterschreibt.
Die Vertragsfallen im Detail
- Was passiert am Ende der Laufzeit? Geht die Anlage in Ihren Besitz über, oder wird eine Restsumme fällig? Seriöse Anbieter regeln das klar und schriftlich.
- Hausverkauf: Muss ein Käufer den Mietvertrag übernehmen? Das kann den Verkauf erschweren — prüfen Sie die Übertragbarkeit.
- Preisanpassung: Ist die Rate über die gesamte Laufzeit fest, oder ist sie an einen Index gekoppelt? Eine steigende Rate frisst den Vorteil auf.
- Reparatur und Haftung: Wer zahlt bei Dachschaden oder Defekt? Als Eigentümer tragen Sie das selbst; bei der Miete sollte der Anbieter haften.
Contracting und Pacht: die Zwischenformen
Neben Kauf und klassischer Miete gibt es Pacht- und Contracting-Modelle, bei denen Sie etwa nur den erzeugten Strom zu einem festen Preis abnehmen. Das kann passen, verschiebt aber denselben Grundmechanismus: Bequemlichkeit gegen höhere Gesamtkosten. Entscheidend bleibt immer, wem am Ende die Anlage gehört und wer die steuerlichen Vorteile nutzt.
Unser Rat
Wenn Sie das Kapital haben oder finanzieren können, ist der Kauf fast immer die wirtschaftlichere Wahl. Die Miete ist eine Option für Komfort und fehlendes Eigenkapital — kein schlechter Weg, aber der teurere. Weil wir keine Anlage verkaufen, raten wir Ihnen ohne Eigeninteresse: Rechnen Sie beide Wege durch, bevor Sie unterschreiben. Ein Fachbetrieb aus Ihrer Region legt Ihnen die Zahlen offen.
Für wen die Miete trotzdem passt
Die Miete ist teurer — aber nicht für jeden falsch. Sie kann passen, wenn Sie kein Eigenkapital binden wollen oder können, wenn Ihnen ein Rundum-sorglos-Paket ohne eigene Verantwortung für Wartung und Reparatur wichtig ist, oder wenn die Anlage sonst gar nicht zustande käme. Entscheidend ist, dass Sie den Aufpreis bewusst als Preis für Bequemlichkeit und fehlendes Eigenkapital akzeptieren — und nicht in dem Glauben unterschreiben, es sei die günstigste Variante.
Steuerlich: der unterschätzte Unterschied
Beim Kauf nutzen Sie den Nullsteuersatz selbst — die Anlage ist von vornherein ohne Umsatzsteuer, und Ihre Erträge sind einkommensteuerfrei. Beim Mietmodell liegen diese Vorteile beim Anbieter, der sie in seine Kalkulation einpreist. Sie zahlen den Steuervorteil also indirekt mit, ohne ihn zu bekommen. Das ist einer der Gründe, warum die Miete über die Laufzeit so viel teurer ausfällt.